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"Ob wir ein atheistische Partei sein wollen, müssen wir klären"

Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion Die Linken im Thüringischen Landtag

Wenn der Atheismus als Grundsatz ins Parteiprogramm aufgenommen werde, sei dies für ihn ein Grund zum Parteiaustritt, sagte Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der Partei "Die Linke" im Thüringer Landtag, in der Veranstaltungsreihe "Christen in der Politik" in der Göttinger St. Johannis-Gemeinde. "Ob wir ein atheistische Partei sein wollen, müssen wir klären", ergänzte der Politiker. Er ließe sich in Parteiprogrammen nicht vorschreiben, was er zu denken habe.


Sein Handeln leite er aus dem Paulus-Satz ab "Handele nicht aus Eigennutz sondern in der Demut achte einer den anderen höher als sich selbst". Als Christ mit Westbiographie sei er schon ein Exot beschreibt Ramelow seinen persönlichen Werdegang. Er stamme - 1956 geboren - aus einer traditionsreichen Pastorenfamilie. Als gelernter Lebensmittelkaufmann habe er früh Kontakt zur Gewerkschaft gehabt, deren Nähe zur SPD aber habe er abgelehnt. Hauptamtlich sei er dann Sekretär bei der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) geworden. Die DKP oder DFU sei ihm damals unbekannt gewesen. "Politisch" sei er durch die Friedensbewegung und die Atompolitik geworden. Der DDR-Standpunkt, die dortige Atompolitik sei sicher, weil sie nicht durch die Profitgier der Konzerne gesteuert werde, habe er misstraut.
Der Kampf der Kali-Kumpel in Bischofferode um den Erhalt ihre Zeche mit der Wende wäre ohne Unterstützung der evangelischen und katholischen Kirche nicht möglich gewesen, sagte Ramelow, seinerzeit für die Gewerkschaft in Thüringen tätig. Die Kollegen habe man nicht mit "gebrochenem Kreuz" in der Niederlage liegen lassen können.
Danach habe er sich entschieden, sagte Ramelow, für die PDS zu kandidieren. Und dies obwohl Christsein im Osten nicht die Normalität sei. Inhaltlich habe sich aber seine Partei von der SED gelöst. Christen wurden schließlich schikaniert. Heute heiße aber Religionsfreiheit auch, sich nicht in die Religionsausübung einzumischen. Religion sei nie ein Teil eines Problems, sondern Teil der Lösung.
Mit seiner Vorrednerin Lieberknecht sei er sich in der Frage des Atomausstieges einig. "Dafür habe ich ihr im Landtag Beifall gezollt".

 

"Wer in der Morgenandacht zusammen betet..."

Christiane Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Landes Thüringen zu Gast in Göttingen

Göttingen. "Wer in der Morgenandacht zusammen betet, geht auch in der politischen Debatte entsprechend miteinander um" erklärte Christiane Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Landes Thüringen ihr politisches Credo. Die CDU-Politikerin sprach zum Auftakt der Reihe "Christen in der Politik im gut gefüllten Gemeindesaal der evangelisch-lutherischen St. Johannisgemeinde in Göttingen. "Wir wollen Politiker verstehen, die sich als Christen verstehen", sagte eingangs Rudolf Grote, Pastor der Gemeinde.
Die "Freiheit des Christenmenschen", so Lieberknecht, sei ihr Leitmotiv; Niemandem Untertan im Glauben, aber in der Liebe. So habe sie sich auch verstanden, als sie unter den Bedingungen einer Diktatur aufgewachsen sei. Schon zu DDR-Zeiten sein sie als Pastorin in die CDU eingetreten und habe sich an Reformbewegungen beteiligt, auch wenn die CDU "keine Schaltstelle der Gesellschaft" gewesen sei.
Die Freiheit, die sie gewollt habe, sei im konziliaren Prozess, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung begründet. Und dies heiße auch bürgerliche Freiheit. Gewaltlosigkeit sei immer die Prämisse gewesen. So habe die untergegangene DDR-Führung nicht zu Unrecht später erklärt. " Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten". Dies habe sie bis heute geprägt.
Auch die aktuelle Diskussion um die Energiepolitik ließ Lieberknecht nicht aus. Wenn man der CDU vorwerfe, sie habe gerade einen "180-Grad-Schwenk" gemacht, sei der aus der Erkenntnis entstanden, das sogenannte Restrisiko sei nun eingetreten. Gegen Verstrahlung gäbe es keine Technologie. Die Grünen hätten in den vergangenen Wochen damit glaubhaft mobilisiert, weil sie diese Frage schon lange bearbeitet hätten.



Politik, fuhr die Ministerpräsidentin fort, müsse den Menschen eine Identität bieten. Die Bewahrung der Schöpfung verlange aber außer Leidenschaft auch Augenmaß. Und in diesem Punkt, würden die Grünen oft irreale Forderungen stellen. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten 75 Prozent der Bevölkerung das Vertrauen in die Menschen der Politik verloren. Die sei für sie ein "dramatischer Wert". Als Christ wisse sie aber auch, der Mensch sei fehlbar, Trotzdem müsse Verantwortung für einander übernommen werden.
Vor ihrem Amt als Ministerpräsidentin war Lieberknecht auch Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Thüringen. Kein präsidiales Amt für sie sondern "als Frau die Ärmel hochkrempeln und in die Kampfarena". Ihren Bischof habe sie seinerzeit gebeten, sie und ihre politischen Gegner Christoph Matschi (SPD) und Bodo Ramelow (Linke)von Zeit zu Teil zum Gespräch einzuladen, um Frieden unter den drei Christen zu stiften. Ramelow ist übrigens der nächste Gast in dieser Veranstaltungsreihe, am Donnerstag, den 12. Mai.
Rainer Freudenberg

"Der gute Genießer ist ein neugieriger Mensch".


Über ein Zigarrenseminar und die Verkostung edler Brände

von Rainer Freudenberg

Nörten-Hardenberg. Ein Freitagabend in der Keilerschänke In Nörten-Hardenberg. Das ideale Ambiente für einen Abend mit feinen Zigarren und edlen Spirituosen. Der Graf hatte eingeladen, Gäste aus Göttingen und Einbeck um die neueste Kollektion von Davidoff-Zigarren sowie Brände aus dem Angebot des Weinhauses Bremer zu goutieren. Der Kostenbeitrag für die Herren und zwei Damen, überschaubar und weit unter Wert für das Angebotene.
Die Keilerstube ist eingedeckt. Auf den schweren Tischen zahlreiche Gläser, einige halb gefüllt mit Wasser. Für die Streichhölzer? "Ja es zischt so schön", erläutert Sascha Rohn, Repräsentant des Hamburger Ziggarenimporteurs Heinemann, außerdem möge er die fingerlangen Anzünder nicht im Aschenbecher.



Nach dem Begrüßungszigarillo übergibt Rohn das Wort an Phillip Bremer, da im Alphabet das "W" vor dem "Z" stehe, erst der Whiskey, dann die Zigarren. Noch während Bremer die ersten fachkundigen Erläuterungen über die "edlen Spirituosen" über die man sich daheim auskenne gibt kreisen schon die ersten Exemplare der exklusiven Zigarrenmarke.
Doch statt Whiskey wird Grappa kredenzt. Ein "Modespirituose" so Bremer , aber am meisten "vergewaltigt", wenn über die Tester noch frischer Most geschüttet wird. Grappa ist für den Weinhändler ein Stück "italienische Lebenskunst". Heute müsse er weich sein auch wenn für den Charakter eine kräftige Traube nötig sei. Beim Destillieren der bereits vergorenen Trauben gebe es einen Vorlauf, für den Ausguss, nur der Mittelbrand sei das Herzstück der Einzeldestillation. Die anschließende Lagerung sei das "A und O". Die leichte Bernsteinfarbe als optimales Ergebniss von zwölfmonatigem Ausbau im Eichenfass.
Die Entwicklung der neuen Davidoff-Zigarrenlinie Puro d'Oro habe bereits 1996 begonnen, erläutert Rohn die Enstehungsgeschichte der ersten Davidoff-Zigarre, die zu 100 Prozent aus in der Dominikanischen Republik gezogenen Tabaken besteht, eine "Puro" also. Im vergangenen Jahr begann erst die Markteinführung in Deutschland. Zuvor kamen die Deckblätter aus den Nachbarstaaten. Für das neue Yamasá Deckblatt wurden über Jahre Samen gekreuzt, mit dem Ziel, Pflanzen mit höheren Qualitätseigenschaften in Bezug auf Aroma, Elastizität und Größe der Blätter hervorzubringen. Nach sieben Generationen war dann der neue Samen zur Aussaat bereit.
Die Puro d'Oro Linie umfasst vier Formate: Sublimes, Deliciosos, Magnificos, Notables. Mit Durchmessern - der Fachmann nennt es Ringmaß - und Längen von 11,4 bis 14,3 Zentimetern. In Handarbeit auf den Millimeter und aufs Gramm genau gewickelt. Mit der Größe steigert sich der Rauchgenuss. Rohns Tipp: "Schließen Sie die Augen! Sie können besser genießen". Für die feinen Kleinigkeiten aus der Hardenbergschen Küche galt dies auch; sie kamen in wohltemperierten Abständen.
"Der gute Genießer ist ein neugieriger Mensch". Ein Weisheit von Phillip Bremer über Obstbrände. Es sei eine Kunst, einen "Duft in die Flasche zu zwingen". Das optimale Aroma entsteht beim Destillieren. Im Keller könne die Qualität im Gegensatz zu Grappa und Whisky nur gehalten, nicht mehr verbessert werden. Über Whisky und Rum referiert dann Hans Strenge.
"Burbon ist das notwendige Übel, um Eichenfässer auf Whisky vorzubereiten", so Strenge. Der Autor mag dem Referenten nach der Verkostung nicht widersprechen. Breiten Zuspruch fand aber der irische Malt. Fünf Jahre im sogenannte Viertelfass gereift. Aus einer Destille, die erst als letzte von der Kohle- auf Gasbefeuerung umgestellt hatte. Wie soll denn eigentlich ein Whisky sein: rauchig? torfig? Wer beides mit "Nein" beantwortet ist eigentlich der geborene Rumtrinker. Auch die Damen waren von dem Zuckerrohrdestillat aus Guayana sehr angetan.
Am Ende des Abends - weit nach Mitternacht - hatten alle Gäste das Gefühl, zu den Genussmenschen zu gehören; nicht wie alltäglich als Raucher an den Rand der heutigen Gesellschaft gedrängt zu sein.


 

Letzte Änderung 11.04.2011 webmaster